27. Juni · Elend und Erfahrung. Der Flüchtling in der verwalteten Welt

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  • Mittwoch, 27. Juni
  • 18 Uhr
  • Raum F428, Uni-Hauptgebäude, Welfengarten 1, 30167 Hannover
  • Vorbereitungskreis „Kritische Leere/Lehre IV“

Elend und Erfahrung. Der Flüchtling in der verwalteten Welt
Vortrag mit Henning Gutfleisch

Dem Flüchtling ist nicht wirklich zu helfen. Wenigstens solange nicht, wie die irrsinnige Raserei des Weltlaufs fortdauert, die die glücklos Verwalteten an unsere Strände spült. Jeglicher Versuch also, der das verkennt, muss demnach ganz äußerlich bleiben – und somit scheitern. Reflektiert Flüchtlingshilfe nicht auf diesen unerbittlichen Zwang, zimmert sie mit am allgemeinen Unheil. Dem gegenüber sind vielmehr jene inneren Impulse zu stärken, die den elendig Entronnenen einst trieben auf die Suche nach seinem Glück. Dieses jedoch regredierte – für alle gleichermaßen – auf die bare Teilhabe am falschen Ganzen. Die Menschen werden eben dort um ihr Glück betrogen, wo sie es alleinig als die Absenz unmittelbarer Not erfahren. Den Flüchtling trifft dies, kaum angekommen, umso härter. Denn nichts hält sein Zielland für ihn bereit, außer die verwaltete Gewalt möglichst rasch in Arbeit gezwungen zu werden: Elend setzt sich fort noch dort, wo seine Abwendung gewaltsam am Subjekt vollstreckt wird. Diesen grundlegenden Widerspruch auf den Begriff zu bringen, ist vordringlichste Aufgabe einer jeden Ideologiekritik. Ihr gilt das Versprechen auf Glück, welches die bürgerliche Gesellschaft verheißt, dialektisch einzuholen. Ausgehend von der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 soll nachvollzogen werden, was den Flüchtling im Besonderen trifft und sogleich uns allen droht.