FESTIVAL CONTRE LE RACISME

Festival contre le racisme

Das festival contre le racisme kommt ursprünglich aus Frankreich, wo es durch einen der Dachverbände der Studierenden (UNEF) bereits seit langem an unterschiedlichen Standorten ausgerichtet wird. Seit mehreren Jahren finden auch in Deutschland und Österreich diverse fclr-Reihen statt. Diese werden ebenfalls von lokalen Studierendenschaften ausgerichtet. Dabei sind sie aber alle Teil der bundesweiten Kampagne, die vom freien zusammenschluss der student*innenschaften (fzs) ausgeht.

An den meisten Standorten umfasst das fclr eine Veranstaltungsreihe, die sich im weitesten Sinne mit den Themen Rassismus, Xenophobie und (gruppenbezogener) Menschenfeindlichkeit auseinandersetzt und ein Konzert oder Campusfest, das in der Regel den Abschluss und damit den Höhepunkt der Reihe markiert.

Die fclr-Festivalreihe gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit in Hannover ist in den vergangenen Jahren zur größten ihrer Art deutschlandweit angewachsen. Das wurde möglich, weil das Festival nicht allein durch den sich jährlich weitgehend neu zusammensetzenden AStA organisiert wird. Die Planung, Konzeption und Umsetzung der Reihe wird hier von verschiedensten Gruppen, Strukturen, Initiativen und Einzelpersonen getragen. Das ermöglicht eine langfristige Planung: die Erfahrung wächst, außerdem sind Wissensweitergabe sowie die beständige Weiterentwicklung des Konzepts gewährleistet. Zudem werden so viele verschiedene Menschen und vor allem nicht nur Studierende angesprochen. Rassismus, Antisemitismus und andere menschenfeindliche Ideologien finden sich nicht nur an Hochschulen, sie sind ein fester Bestandteil der deutschen Gesellschaft, weswegen eine Zusammenarbeit über die Hochschulen hinaus unverzichtbar ist.

In Hannover bildet das kostenlose Open-Air-Konzert im Welfengarten seit einigen Jahren den Auftakt zur Veranstaltungsreihe und dient so dazu, die inhaltlichen Veranstaltungen bis weit in die Region hinein zu bewerben. Etwa 4.000 Besucher*innen haben 2018 im Welfengarten am Open Air teilgenommen und nicht nur ausgelassen zu den Bands gefeiert, sondern auch ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und für eine solidarische Gesellschaft gesetzt. Gerade in Zeiten, in denen rassistische und antisemitische Übergriffe schon fast als normal gelten und alle bürgerlichen Parteien von Linke bis Grüne über SPD bis zur CDU durch rassistische, sexistische und andere menschenfeindliche Aussagen und Politik auffallen, ist die Forderung nach einer emanzipatorischen Gesellschaft, insbesondere außerhalb der Parlamente, ungemein wichtig. Wir hoffen daher, euch auch auf der folgenden Veranstaltungsreihe zahlreich begrüßen zu dürfen.

Nun möchten wir an die erfolgreichen letzten Jahre anknüpfen und wollen dem in nichts nachstehen. Zwei Bühnen, zahlreiche Informations-, Essens- und andere Stände präsentieren ein ausgefeiltes Unterhaltungsprogramm.

Das Open Air Konzert

Das Open Air am 15. Juni 2019 bildet auch in diesem Jahr wieder den Auftakt zur anschließenden Veranstaltungsreihe. Wir werden nicht so weit gehen, das Besuchen eines Umsonst-und-Draußen-Konzerts bereits als Akt der politischen Handlung deuten zu wollen. Dennoch: Wir glauben, wer dem Ruf eines „festival contre le racisme“ folgt, bekennt sich zu einer antirassistischen Grundhaltung und setzt so ein Zeichen! Ein Zeichen, das angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen besonders wichtig ist.

Allerdings fordern wir nicht nur eine antirassitische Grundhaltung von euch Festival-Besucher*innen. Auf dem Festival sollen sich alle Menschen wohlfühlen: Achtet daher bitte auf Grenzen anderer Personen und seid keine Arschlöcher. Falls euch so etwas bei anderen Personen auffallen sollte oder andere Personen sich euch gegenüber übergriffig verhalten haben, steht das Awareness-Team immer zur Verfügung. Die Leute aus dem Awareness-Team erkennt ihr an Binden und Aufnähern.

Wir haben den Rahmen des Programms nach dem Erfolg der letzten Jahre im Groben beibehalten und bieten Euch neben diversen Infoständen verschiedenster Gruppen und Initiativen, einer Kinderbetreuung und einigem an kulinarischen Leckerbissen und Getränken zu erschwinglichen Preisen auch ein umfangreiches Programm auf insgesamt zwei Bühnen.

Auf der Mainstage erwarten Euch in diesem Jahr ab 15 Uhr Juse Ju, Tice, Slowy & 12Vince, havarii und das Rogue Steady Orchestra. Wie auch schon in den letzten Jahren lädt das Elchkeller-Kollektiv in seiner Jurte zum sorgenfreien Chillen und Trinken in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre ein. Auf der hauseigenen Elchbühne wird dazu bereits ab 14 Uhr vom Plattenteller serviert.

Juse Ju

Juse Ju ist wohl das, was früher ‚Studentenrapper‘ genannt wurde und auch, wenn er mit Blumentopf nicht viel gemein hat und diese Kategorie glücklicherweise in der Versenkung verschwunden ist, merkt man seinen provokant-ironischen oder nachdenklich-reflektierenden Tracks seinen Werdegang an. Geboren in der Weltstadt Kirchheim unter Teck, aber aufgewachsen unter anderem in Tokio und El Paso reicht sein „Kirchheim Horizont“ wesentlich weiter. Nach einem Studium der Theaterwissenschaften, Soziologie und Japanologie verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Drehbuchschreiber für Scripted-Reality-Formate, bevor er davon die Schnauze voll hatte, sich inklusive Ausbildung als Journalist versuchte und schließlich ganz beim Rap landete. Mittlerweile mit Basis in Berlin und einer nicht unwesentlichen Portion Misanthropie ausgestattet, schießt er auf seinen ersten Veröffentlichungen die einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich wurden eloquent gegen alles und jeden. Die letzten Releases weisen aber auch einen stark autobiographischen Einschlag auf, während weiterhin „Berliner Partybullen“ oder „Biedermann und die Brandstifter“ kassieren müssen.

Tice

Seit knapp 15 Jahren ackert sich die zähe Düsseldorferin, Kind türkischer ‚Gastarbeiter‘, in unterschiedlichen Funktionen, aber immer auch am Mikrofon, durch die deutschsprachige Rapszene. Inspiriert unter anderem von Azad oder Tupac und getragen von einer markanten Reibeisenstimme, spielen ihre Tracks häufig mit kantigen Zeilen und kontrastierend-eingängigen Hooklines. Durch Probleme mit Labels zwangsläufig zur Selfmade-Frau mutiert, tingelte sie über Jams und Festivals wie Fusion oder Out4Fame und veröffentlicht ihre Projekte in Eigenregie. Reminiszenzen an die Goldene Ära und ein Ansatz, der in der männlich dominierten Rapszene eher rar gesät ist, sprengen gängige Klischees und bescheren der emsigen Mikrofonakrobatin eine stetig wachsende Hörer*innenschaft. Nach einer fast zweijährigen Releasepause wird kolportiert, dass reichlich neues Material gesammelt wird, wovon Kostproben bereits auf den gängigen Plattformen verfügbar sind.

Slowy & 12Vince

„Leben nach eigenen Regeln in einer viel zu reichen Stadt“: Slowy lädt sein Publikum ein, ihm auf seinen Wegen durch die Straßen Hamburgs zu folgen und die Stadt, ihr Treiben und ihre Widersprüche aus seiner Perspektive zu erleben, während 12Vince den smooth-scheppernden BoomBap-Klangteppich bereitet. Inhaltlich sind die großen drei Punkte: Grafitti, Lines gegen die Gegner und der tägliche Hustle. Battlerap und Storytelling gehen somit wie auf ihrem letzten Album „Undercover Blues“ eine Symbiose ein und wir dürfen gespannt sein auf ihr neuestes Projekt, das voraussichtlich im Spätsommer oder Herbst erscheint. Grundsätzlich bodenständig und auf der Bühne mit ihrem Publikum interagierend, können wir uns auf zwei Echthalter freuen, die ohne viel Schnickschnack auskommen und nichts auf Tracks versprechen, was sie live nicht halten können.

havarii.

“Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Havarie auch für Totalschäden oder Unglücke an oder in Industrieanlagen, Bauwerken, Serveranlagen und ähnlichem benutzt”. Dies weiß Wikipedia zum Begriff der Havarie zu berichten und so kreiert auch die hamburger Band ihre Dystopien: Kalt, fremd und hoffnungslos wird das Szenario, melancholisch und zerbrechlich ihre Musik. Leere Landschaften, verzerrte und zerbrochene Situationen, in denen längst alles außer Kontrolle geraten zu sein scheint. Mit jedem Schrei schwindet die Hoffnung und der Sog wird stärker. Selbst fordern sie dann ihre Zuhörer*innen auf: “Frag nicht wo, sondern ob es je genug ist um zu bleiben!” Und so sind wir gespannt, wohin sie uns mit ihrem Post-Hardcore während des fclr führen und tauchen ein –  tiefer und tiefer. Jeder Widerstand wäre ohnehin zwecklos im emotionalen Strudel. Gänsehaut können wir euch auf jeden Fall garantieren.

Rogue Steady Orchestra

Wiedersehen macht Freude: Gerne begrüßen wir dieses Jahr die altgediente Ska-Kapelle aus Göttingen, deren erstes Album bereits Anfang des Jahrtausends erschien. Die Wege der neunköpfigen Bande führten sie 2010 bereits schon einmal auf das fclr, weswegen es uns besonders freut, sie nach fast 10 Jahren wieder begrüßen zu dürfen. Musikalisch erwartet uns „Schurkenska“, wobei sich thematisch abgearbeitet wird an totschlagende Neonasen, staatlich konzertierter Repression, der trügerischen Wärme des eigenen Moralmäntelchens oder der ungezielte Massenentledigung an den Burggräben Europas. RSO zielen also genau dahin wo es weh tun muss, ohne sich mit Schwarz-Weiß-Schemen oder Scherenschnitten aufzuhalten und immer spürbar auf der Suche nach Utopien und Streit, die sie in einen Mix aus Ska, Punk, Swing, Reggae und Rocksteady einzubetten wissen.

Elchkeller Bühne

Der Elchkeller ist ein selbstverwaltetes studentisches Café im Keller des Verfügungsgebäudes im Schneiderberg 50. Hier könnt Ihr tagsüber zwischen Lehrveranstaltungen dem Uni-Stress entkommen: günstig frühstücken und Kaffee trinken, plaudern und Leute treffen. Außerdem bietet der Elch Raum für politische Veranstaltungen, für Vorträge, Diskussionen und Lesungen, für Kino etc. Ab und an gibt es auch gemütliche Kneipenabende. Betrieben wird der Elch vom Elchkeller-Kollektiv, das sich um alle Aufgaben kümmert, die sich so ergeben.

Auf dem Open Air beteiligt sich das Elchkeller-Kollektiv seit einigen Jahren mit einer eigenen Bühne. Die Menschen rund um den Elch laden zum sorgenfreien Chillen und Trinken in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre ein. In der Jurte gibt es günstige alkoholische und nicht-alkoholische Getränke. Auf der hauseigenen Bühne werden dazu bereits ab 14 Uhr tanzbare Beats vom Plattenteller serviert. Für den richtigen Sound sorgen in diesem Jahr:

Stina & Johanna (NYC)
Ajicero
isafari&hzy mlk

Aftershow Party

Im direkten Anschluss an das Bühnenprogramm geht es für all jene mit langem Atem noch weiter. Die beiden Kollektive Techno im Punkkeller und Riot haben sich zusammengeschlossen, um die Aftershowparty auf die Beine zu stellen. Neben heimischen Residents haben sich die beiden Crews noch Unterstützung aus dem ://about blank in Berlin und dem Institut für Zukunft aus Leipzig geholt. Die Einnahmen der Party werden an die Kampagne #wannwennnichtjetzt gespendet. Wann wenn nicht jetzt ist eine Kampagne, die im Zuge der sächsischen Landtagwahl Gemeinde- und Stadtfeste organisieren möchte, um die linken Akteur*innen und Aktivist*innen, die seit Jahren einen kräfteraubenden Abwehrkampf gegen reaktionäre und teilweise faschistische Gruppen wie die AFD führen müssen, zu stärken und zu unterstützen.

Veranstaltungsreihe

In jedem Jahr gibt es neben den Open-Air-Konzerten im Welfengarten auch eine Veranstaltungsreihe, die das Festival erst richtig ausmacht. Diese wird sich inhaltlich mit Rassismus auseinandersetzen und sich darüber hinaus mit der Analyse von Entstehen, Bestehen und Wirkung menschenfeindlicher Ideologien befassen sowie den Möglichkeiten, diese zu bekämpfen und zu überwinden.

Im Gegensatz zu anderen Städten und Hochschulen, wo das die Konzerte häufig den Abschluss der Reihe oder des Tagesseminars darstellt, haben wir seit Jahren das Open Air an den Anfang der Reihe gestellt und nutzen so das kostenlose Konzert im Welfengarten, um Menschen auf die folgenden Veranstaltungen aufmerksam zu machen und für die inhaltlichen Themen zu begeistern.

Die Veranstaltungen sind grundsätzlich öffentlich und kostenlos. Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich durch die vielen Besucher*innen gezeigt, dass die Veranstaltungsreihe eine feste Größe in und um Hannover ist und einen niedrigschwelligen Zugang zu verschiedenen Thematiken bietet. Wir sehen das als großes Potential und hoffen, auch in diesem Jahre viele Menschen bei den Veranstaltungen begrüßen zu dürfen!

In diesem Jahr findet die Veranstaltungsreihe zwischen dem 17. Juni und dem 14. Juli statt. In diesem Zeitraum erwartet Euch ein sattes Programm mit diversen Veranstaltungen. Ob Film, Vortrag oder Workshop – sucht Euch etwas aus und bringt Eure Freund*innen mit! In diesem Zeitraum, genauer gesagt am 6. Juli, wird es in Hannover eine Großdemonstration in Gedenken an Halim Dener geben, die hier nicht unerwähnt bleiben soll. Halim Dener wurde am 30. Juni 1994 von einem Polizisten erschossen, als er Plakate beim Steintor verklebte. Bis heute gibt es keinen Gedenkort, der an den durch (rassistische) Polizeigewalt ermordeten Halim Dener erinnert. Um ein würdevolles Gedenken und die lückenlose Aufarbeitung des Mordes zu fordern, kommt am 6. Juli um 14 Uhr zum Ernst-August-Platz!

Bei drei unserer Veranstaltungen stand zu Redaktionsschluss leider noch kein Raum fest; wo das der Fall ist, erkennt Ihr durch das Kürzel tba (to be announced). Den jeweiligen Veranstaltungsort findet Ihr dann zeitnah auf Facebook oder unserer Homepage. Außerdem kann es immer auch kurzfristig noch zu Änderungen kommen – folgt daher am besten unserer Seite auf Facebook oder schaut auf unserer Webseite vorbei.

Für Fragen zu den Veranstaltungen, z.B. zu möglichen Barrieren, könnt ihr Euch per Mail an polbil@asta-hannover.de wenden.

Rap/songwriting-Workshop

mit Ron Nox

Rap ist so populär wie nie zuvor! Aber wie funktioniert eigentlich so ein Rap? Worauf kommt es an?
Wie schreibe und performe ich am besten? Diese Fragen beantwortet Rapper und Schauspieler Ron Nox (Ron Iyamu). Seit mehreren Jahren gibt er Workshops zum Thema und vermittelt in lockerem Ton, was es zu wissen gibt. Beim Umgang mit unserer Sprache können wir einen neuen Zugang zu dem finden, was wir erleben und uns beschäftigt, um es dann in Texten zu verarbeiten. Ein erfolgreicher Gegenpol zum frauenfeindlichen und gewaltverherrlichenden Gangster- und Battlerap!
Ron Nox ist der Sohn eines Nigerianers und einer Deutschen, sein Schauspielstudium schloss er an der Universität Mozarteum Salzburg ab und das Workshophandwerk lernte er von Rap-Altmeister Spax. “Ich selber bin durch einen seiner Workshops der Musik näher gekommen und heute möchte ich dieses Wissen weitergeben“, beschreibt Nox seine Motivation.

www.ron-nox.com

Montag, 17. Juni
19:00 Uhr
Elchkeller
AStA LUH

Halim Dener

Mobilisierungsvortrag

Bei Wikipedia wird das Alter von Halim Dener mit 41 Jahren angegeben. So alt wäre er tatsächlich, hätte ihm nicht vor 25 Jahren, in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli, ein deutscher Polizist in den Rücken geschossen. Er wurde nur 16 Jahre alt.
Halim Dener wurde erschossen, weil er in dieser Nacht Plakate der kurdischen Befreiungsbewegung plakatierte.
Er repräsentiert in seiner Person viele verschiedene Kämpfe, die hier und weltweit geführt werden – der Kurdistan-Konflikt, Krieg und Flucht, Repression linker Ideen und Organisationen sowie (rassistische) Polizeigewalt.
Deswegen organisieren wir, die Kampagne: „Halim Dener – Gefoltert Geflüchtet Verboten Erschossen“ eine Demonstration zu seinem 25. Todestag. Alle Infos zu Halim Dener und zu der Demonstration am 6.7. erhaltet ihr auf unsrer Veranstaltung am 20.6. um 19:00 Uhr im Conti-Hochhaus.

http://halimdener.blogsport.eu/

Donnerstag, 20. Juni
19:30 Uhr
14. Stock, Conti Campus
Antifaschistische Gruppe Hannover

Antifa in den USA

Antifaschist*innen aus Deutschland reisten 2018 entlang der US-Westküste, hielten in sieben Städten Vorträge über die antifaschistische Bewegung in Deutschland und trafen unterschiedliche Menschen: „Von der jungen Basisgewerkschafterin zum Knast-Soli-Opa, von der Queer-Aktivist*in in der Kleinstadt bis zur maoistischen Straßengang in LA.“ Im Rahmen einer Veranstaltung berichten sie von ihren Eindrücken und den antifaschistischen Gruppen, die sie trafen: deren Strategien und Grenzen. Wie funktioniert klassische Antifa-Politik in den USA? Was sind Strategien? Wo liegen die Grenzen? Und was machen die neuen Nazis oder die Bullen?

Freitag, 21. Juni
19:00 Uhr
UJZ Korn
Antifaschistische Gruppe Hannover

Haft ohne Straftat – Strafe ohne Verbrechen

Ausstellung – Vortrag – Film

Die Abschiebehaft in Deutschland begeht dieses Jahr ein trauriges Jubiläum: Die rassistische Tradition wird 100 Jahre alt. Eingeführt in der Weimarer Republik, um vor allem Jüd_Innen aus Osteuropa einzusperren und anschließend abzuschieben, wurde sie durch das Naziregime weiter verschärft und von der BRD nahtlos übernommen. Nunmehr sollen die Regelungen zur Abschiebehaft erneut ausgeweitet werden. Die Veranstaltung veranschaulicht das Unrecht der Abschiebehaft aus unterschiedlicher Perspektive und auf verschiedene Weise

16:00 – 18:00: Ausstellung: Die „Unmündigen“
Die Ausstellung zeigt auf eindrückliche Weise Portraits und Schicksale von Abschiebegefangenen, die im zentralen niedersächsischen Abschiebegefängnis in Langehangen inhaftiert waren.

18:00 – 19:30: Vortrag: Abschiebungshaft in Deutschland – Ein Überblick
Der Vortrag gibt einen Überblick über die Geschichte und den Status Quo der Abschiebehaft in Deutschland. Zudem stellt er das Leben im Abschiebegefängnis dar und bietet Raum für Fragen und Gespräche.

20:00 – 22:00: Dokumentarfilm: „Vol Spécial“ (CH 2011, 103 Min., franz. OmdU)
Fernand Melgar zeigt intime Portraits der Inhaftierten im Abschiebegefängnis Frambois bei Genf, ihre Verzweifelung und eine Gefängnisrealität, in der die Menschlichkeit zu einer Farce verkommt.

Im Anschluss besteht Gelegenheit für Fragen und Gespräche.

Maria Bethke ist eine freischaffende Künstlerin aus Berlin.
Muzaffer Öztürkyilmaz und Johanna Lal arbeiten beim Flüchtlingsrat Niedersachsen und beraten tagtäglich Gefangene in der Abschiebungshaftanstalt Langenhagen.

Donnerstag, 20 Juni
16:00 Uhr bis 22:00 Uhr
Pavillon
Solinet und Flüchtlingsrat

Fantifa.

Ein subjektiver Einblick in Praxis, Beweggründe und Kritik (an) Antifa-Gruppen ohne cis-Typen.

In diesem Vortrag fragen wir, was „Fantifa“ eigentlich ist und war, und wie und warum Fantifa Gruppen entstanden sind.
Wir geben Einblicke darin, was Fantifa-Praxis für uns konkret bedeutet, diskutieren persönliche, politische und strategische Beweggründe für die feministische, antifaschistische Organisierung ohne cis-Typen.
Unstringent und schlaglichtartig teilen wir Erfahrungen und Analysen und nehmen Bezug auf einzelne Fantifa-Momente der linken Historie. Und nicht zu vergessen: einige zentrale Kritikpunkte an Fantifa-Organisierung werden vorgestellt, und wie wir darauf reagieren (können).

Dienstag, 25. Juni
20:30 Uhr
UJZ Kornstraße
Antifa Linden

Der zweite Anschlag

Dokumentarfilm über rechtsradikale Gewalt und das Problem des (institutionellen) Rassismus aus Perspektive der von ihr Betroffenen.

Ibrahim Arslan überlebte als Kind den Brandanschlag auf sein Elternhaus in Mölln, bei dem drei Mitglieder seiner Familie starben. Heute sagt er, seine Familie habe nicht nur einen, sondern zwei Anschläge erlitten. Nachdem die Molotowcocktails erloschen waren, wurden die Arslans ein weiteres Mal zum Ziel von Attacken: aus Medien, Politik und Gesellschaft. Diese Attacken waren schlimmer als die Brandsätze, denn sie wären vermeidbar gewesen, sagt Arslan.
Mala Reinhardt fragt in ihrem Film, warum viele Opfer rechtsradikaler Gewalt bis heute die gleichen Erfahrungen machen müssen, angefeindet und kriminalisiert werden. Mit beeindruckender Klarheit analysieren die Betroffenen, die sich inzwischen untereinander vernetzt haben, welche Rahmenbedingungen dafür sorgen, dass Rassismus hierzulande noch immer gesellschaftsfähig ist. Nun gilt es, zuzuhören.

Im Anschluss des Films wollen wir mit euch ins Gespräch kommen, wobei Ibrahim Arslan und ein Teil des Filmemacher*innen-Kollektivs mit dabei sein werden.

Mittwoch, 26. Juni
20:30 Uhr
Kino im Sprengel
Kino im Sprengel

You Can't Evict Solidarity

Aktionen gegen Repressionen entlang der Grenzen

Die Fluchtroute insbesondere über das Meer ist immer riskanter. Trotz alledem nehmen immer noch viele Menschen den gefahrvollen Weg auf sich, um dann an EU-Außengrenzen festzusitzen, auf der Straße zu wohnen oder illegal zurückgeschoben zu werden. Gleichzeitig werden Proteste gegen die Zustände und für offene Grenzen gewaltvoll von Polizei und Militär beendet, Geflüchtete willkürliche kriminalisiert (Röszke11, Moria35…). Die staatliche Politik wird auch gegen Aktivist_innen repressiver. Das zeigt sich z. B. heftig bei der Kriminalisierung der Seenotrettung.
Trotz der vielfältigen Repression kämpfen weiterhin viele Menschen gemeinsam entlang den EU-Grenzen, in Camps und auf Straßen gegen die unmenschlichen Bedingungen und das Grenzregime und für Freiräume. Wir als Kampagne You Can’t Evict Solidarity unterstützen  Betroffene von staatlichen Repressionen und rechten Übergriffen an den EU-Außengrenzen (Schwerpunkt Griechenland und Balkanroute) und setzen unsere Solidarität  der Kriminalisierung von migrantischen Kämpfen und anti-rassistischen Aktionsformen entgegen.

Freitag, 28. Juni
19:30 Uhr
UJZ Kornstraße
AStA LUH

Hinfahren statt Wegsehen

Drei Wochen Flüchlingsarbeit in Südeuropa

Drei Wochen unserer Semesterferien haben wir an der französisch-italienischen Grenze verbracht und dort an einem Hot-Spot für Geflüchtete humanitäre Arbeit geleistet. Mit „Kesha Niya“ – kurdisch für „kein Problem“ kochten wir jeden Tag für bis zu 60 Geflüchtete, die in der italienischen Grenzstadt Ventimiglia auf der Strasse, am Bahnhofsgleis oder im RedCross-Camp leben. Dabei sind wir immer wieder massiv von der Regierung und der italienischen Polizei behindert worden. Unsere Erfahrungen und Eindrücke aus dieser Zeit und wie die Lage an Europas Grenzen ist, wollen wir nun in einem 45-minütigen Fotovortrag mit euch teilen. Im Anschluss soll es eine offene Gesprächsrunde geben: Keine eurer Fragen soll unbeantwortet bleiben und für den Fall, dass ihr sprachlos bleibt, können wir auch so noch genug aus diesen drei Wochen berichten!

Montag, 1. Juli
20:00 Uhr
Elchkeller
Elchkeller Kollektiv

Notwendigkeit von antirassistische Pädagogik & Empowerment

Workshop mit Menina Ekinerom

Barrieren: deutsche Lautsprache, wir werden einen kurzen Text lesen, keine Vorkenntnisse nötig, besonders geeignet für Menschen die pädagogisch arbeiten oder arbeiten wollen

Für wen: offen für alle

Rassismus ist in eine Diskriminierungsform, die in allen Lebensbereichen zu finden ist. Wir begegnen ihm zum Beispiel in der Schule, im Kindergarten, auf der Straße und in Kinderbüchern. Dieser Umstand muss auch in der pädagogischen Arbeit berücksichtigt werden. In diesem Workshop erarbeiten wir uns an Beispielen, die auch von euch kommen können, warum antirassistische Pädagogik notwendig ist und wie sie genau aussehen kann.

Mittwoch, 3. Juli
15:00 bis 18:00 Uhr
Fröbelstraße 5
Die Falken

Lesung/spoken word perfoming

mit audream/antirassistischer mobiler Bibliothek

Barrieren: die Veranstaltung findet in deutscher Lautsprache statt

Audream ist eine mobile antirassistische Bibliothek, die 2016 von Chima Ugwuoke gegründet wurde. Bisher umfasst die Sammlung ca. 150 Bücher, Zeitschriften und DVD´s, die gegen eine Spende für Veranstaltungen ausgeliehen werden können. Das Hauptanliegen von Audream ist die Hör- und Sichtbarkeit Schwarzer feministischer Perspektiven, Positionen, Gedanken, Fragen und Forderungen. Die Veranstaltng umfasst die Vorstellung des Projekts, eine kleine Lesung, eine Spoken Word Performance von Menina Morenike und einen Einblick in die Inhalte des Audream-Teams.

Mittwoch, 3. Juli
19:00 bis 20:30 Uhr
Fröbelstraße 5
Die Falken

Selbstreflektion: Kritischer Umgang mit der eigenen Positionierung

in Alltag und Pädagogik

Barrieren: deutsche Lautsprache, keine Vorkenntnisse nötig

Für wen: offen für alle

Eine Auseinandersetzung mit den Begriffen: Privilegien, Intersektionalität und Positionierung. Basis des Workshops ist, dass durch die verschiedenen Macht- und Herrschaftsverhältnisse keine machtleeren Räume existieren. Je nach Situation haben alle Menschen unterschiedliche Vor- und Nachteile, haben manche Personen mehr Macht als andere und werden bestimmte Menschen öfter verletzt und ent_wahrgenommen. In diesem Workshop wollen wir uns erst theoretisch mit dieser Situation auseinandersetzen und dann über unsere eigenen Positionierungen sprechen. Abschließend betrachten wir kritisch unseren bisherigen Umgang mit den eigenen Positionierungen und deren Einfluss auf die pädagogische Arbeit.

Donnerstag, 4. Juli
13:00 bis 16:00 Uhr
Pavillon (Raum 2)
Die Falken

BIPOC - Empowermentrunde

(Black, indigenous, people of color)

Barrieren: deutsche Lautsprache, keine Vorkenntnisse nötig

Für wen: BIPOC-only, für alle Menschen die Rassismuserfahrungen machen (das heißt Menschen of Color, Schwarze, migrantisierte und geflüchtete Menschen, Indigenous, Rom*nja, Sinte*zza uvm.)

Ein Empowerment Workshop für Menschen die negativ von Rassismus betroffen sind. Gemeinsam versuchen wir einen safer space zu schaffen und uns über unsere Erfahrungen auszutauschen. Dieser Workshop dient der Vernetzung und soll eine kleine Pause von unserem Alltag schaffen. Durch verschiedenste Methoden und einer angenehmen Atmosphäre sollen alle möglichst empowert und entlastet aus dem Workshop gehen.

Donnerstag, 4. Juli
17:00 bis 20:00 Uhr
Pavillon (Raum 2)
Die Falken

Kritik des Antirassismus als Weltanschauung

mit Ingo Elbe

Antirassistische Theoriebildung sollte den Anspruch haben, ein ebenso verbreitetes wie vielgestaltiges Herrschaftsphänomen zu analysieren und Möglichkeiten seiner Abschaffung aufzuzeigen. Es stellt sich – und zwar bei führenden Vertreterinnen und Vertretern des Antirassismus weltweit – allerdings heraus, dass Antirassismus zur Weltanschauung mutiert ist, die partiell gültige Aussagen unzulässig verallgemeinert, empirische Analysen durch starre Theorieschablonen ersetzt, inkonsistente, machtreduktionistische und kulturrelativistische Erkenntnistheorien zugrunde legt und über weite Strecken von volkspädagogischen Absichten und politischen Ressentiments geleitet wird. So gehören vor allem die Dethematisierung des politischen Islams und die antizionistische Agitation gegen Israel inzwischen zum guten Ton vieler antirassistischer Theoretikerinnen und Theoretiker sowie Aktivistinnen und Aktivisten.

Mittwoch, 10. Juli
18:00 Uhr
Elchkeller
AStA LUH

Einführung in materialistische Rassismuskritik

mit Bafta Sarbo

Marxismus und Antirassismus werden in deutschen akademischen und aktivistischen Kontexten selten zusammengedacht. Oft gibt es die Unterstellung Marxist*innen würden im Rassismus lediglich einen Nebenwiderspruch sehen und sich deshalb nicht würdig damit beschäftigen. Eine historisch-materialistische Auseinandersetzung könnte aber Antworten bieten auf die Fragen, was Rassismus ist und wie er entstanden ist. Können wir überhaupt von dem einen Rassismus, statt von Rassismen, sprechen? Und was hat kapitalistische Produktionsweise mit rassistischer Gewalt zu tun?
Warum Rassismus mehr ist als nur eine Ideologie oder ein falsches Bewusstsein und was das Problem mit dem aktuell hegemonialen Antirassismus ist, soll in diesem Vortrag erläutert werden.
Mehr über Bafta Sarbo findet Ihr hier: http://als-ich.iwspace.de/panellistinnen/bafta-sarbo/

Donnerstag, 11. Juli
tba
14. Stock Conti-Campus
AStA LUH

„Damit spielt ihr den Rechten in die Hände!“

Versuch einer verbindenden Kritik am politischen Islam

Etwas läuft schief: Das zeigt nicht zuletzt die jüngste Debatte um die Konferenz über das islamische Kopftuch der Frankfurter Soziologin Susanne Schröter. Prompt gründete sich eine Kampagne, welche der Veranstalterin aufgrund der Thematik Rassismus vorwirft und ihre Entlassung fordert. Neben Befürworter_innen des Kopftuchs waren auf der Konferenz mit Alice Schwarzer auch solche eingeladen, die regelmäßig durch rassistische Aussagen auffallen. Es also lieber lassen?

Das muss nicht sein. Inwiefern kann eine emanzipatorische und damit berechtigte Kritik am Islamismus, der zunehmend Zulauf findet, hervorgebracht werden, die weder Rechten in die Hände spielt noch aus Angst, rassistisch zu argumentieren, lieber gar nichts mehr aussagt? Wie kann eine verbindende Kritik aussehen, die feministisch und zugleich mit einem Bewusstsein für die rassistischen Zustände und Vereinnahmungen der Thematik an die Sache rangeht?

Diese und weitere Fragen wollen wir mit unseren Gästen auf dem Podium diskutieren.

Freitag, 12. Juli
18:30Uhr
tba
Kritik und Subversion

Rückblick

Das festival contre le racisme – Hannovers Festivalreihe gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit – wird in Hannover bereits seit 2008 durch den AStA der Uni Hannover in Zusammenarbeit mit verschiedensten Initiativen, Strukturen und Gruppen, welche im weiteren Umfeld der Universität angesiedelt sind, organisiert.

In jedem Jahr gibt es ein kostenloses Open Air Konzert im Welfengarten sowie eine Veranstaltungsreihe, die sich inhaltlich auf niedrigschwelligem, wissenschaftlichen Niveau speziell mit dem Phänomen Rassismus und darüber hinaus im ganz allgemein mit der Analyse, dem Entstehen, Bestehen und Wirken von menschenfeindlichen Ideologien in der (deutschen) Gesellschaft befasst.

In den letzten Jahren ist es uns gelungen, die hannoversche Festivalreihe zur größten bundesweit auszubauen. Mit 5.000 Besucher*innen beim Open Air im Welfengarten und einer rundum überdurchschnittlich gut besuchten Veranstaltungsreihe, ist es uns gelungen, das Festival endgültig als feste Größe in der Region zu etablieren.

Wie das beim Open-Air aussieht, vermittelt das Aftermovie von 2015 ganz schön:

Nach oben scrollen