FESTIVAL CONTRE LE RACISME

festival contre le racisme

Das diesjährige „festival contre le racisme“ findet im Zeitraum zwischen dem 17. August und dem 4. September überwiegend digital statt. Auch wenn dieses Jahr alles etwas anders ist und der Festival-Tag ins Wasser fällt, wollen wir uns inhaltlich mit (gruppenbezogener) Menschenfeindlichkeit und anderen Schieflagen der Gesellschaft auseinandersetzen.

Angesichts der Krise, in der wir uns befinden, werden ohnehin schon deutliche gesellschaftliche Missstände immer augenscheinlicher. Seien es die antisemitischen Mythen der Verschwörungsgläubigen, die meinen, dass einzelne, mächtige Strippenzieher die Pandemie vorsätzlich einsetzen würden. Die unmenschliche Situation in den Geflüchtetenlagern an den EU-Außengrenzen, in denen Abstand und Hygienemaßnahmen nicht eingehalten werden können, während die Grenzen von einem auf den anderen Tag geschlossen werden und das humanitäre Bleiberecht suspendiert wird. Oder die prekären und rassistischen Verhältnisse in der Fleischindustrie. Statt Schutzmaßnahmen und Abstandsregeln, werden Arbeiter*innen rassistisch stigmatisiert und für erneute Ausbrüche des Virus verantwortlich gemacht. Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus sind trauriger Alltag, dem unbedingt widersprochen werden muss.

Im Rahmen der Reihe wollen wir deshalb diese Schieflagen benennen, analysieren und Lebensrealitäten aufzeigen.

Wir hoffen, dass ihr euch trotz Pandemie und Technik einschalten könnt und ein Raum für Austausch entsteht. 

Intersektionaler Aktivismus

Kein Platz für Jüdinnen* Juden?

Jüdinnen*Juden bleiben im intersektionalen, feministischen Aktivismus oft unsichtbar. Obwohl Antisemitismus ein globales und intersektionales Problem ist, werden jüdische Perspektiven in feministischer und antirassistischer Arbeit meist ausgeblendet. Intersektionaler Aktivismus schafft es regelmäßig nicht, Antisemitismuskritik erfolgreich einzubeziehen. Teilweise werden antisemitische Haltungen sogar reproduziert. Woran liegt dieser Ausschluss von jüdischen Perspektiven?

In unserem Vortrag wollen wir dieser Frage nachgehen. Außerdem wollen wir besprechen, inwieweit intersektionaler Feminismus dazu geeignet ist, gegen Antisemitismus vorzugehen.

Jüdisch & Intersektional – Initiative für kritische Bildungsarbeit wurde von Ina Holev und Miriam Yosef konzipiert um am Schnittpunkt von jüdischem Erfahrungswissen, kritischen akademischen Diskursen und aktivistischer Praxis zu agieren. Ziel von Jüdisch & Intersektional ist es, mit Workshops, Vorträgen und Beratungsangeboten für Antisemitismus zu sensibilisieren und Jüdinnen*Juden in feministischen Kontexten Sichtbarkeit zu verleihen und zu empowern.

@jewishintersectional auf Instagram

Ina Holev schreibt und spricht als freie Journalistin, Autorin und Medienkulturwissenschaftlerin über Feminismus, Digitales, Repräsentationsfragen und jüdisches Leben.

Miriam Yosef promoviert und forscht zum Thema Menschenrecht & intersektionaler Gerechtigkeit und ist aktuell Research Fellow bei ELES. Als freiberufliche Bildungsvermittlerin ist Miriam Yosef mit einem Fokus auf Machtkritik und Empowerment tätig.

Der Link zur Veranstaltung: https://uni-hannover.webex.com/uni-hannover/onstage/g.php?MTID=ef8dba85361636ec1e92ac451cb8b2c63     

Passwort: fclr19.08.2020

Wichtiger Hinweis: Es sollen keine Screenshots und Aufnahmen der Veranstaltung gemacht werden.

Mittwoch, 19. August
19:00 Uhr
Autonomes Feministisches Kollektiv

In Hannover sagt man L’chaim

Eine Perspektive auf jüdisches Leben in Hannover und antisemitismuskritische Bildungsarbeit

Dass es jüdisches Leben bereits seit dem 4. Jahrhundert in Deutschland und Europa gibt, ist längst belegt. Dennoch werden jüdische Menschen in Deutschland oft einzig mit dem Nationalsozialismus und der Judenverfolgung verbunden. Juden_Jüd*innen werden somit regelmäßig auf Opferkonstruktionen reduziert, statt als handelnde Subjekte wahrgenommen zu werden. Diese Veranstaltung soll einerseits Einblick in gegenwärtige jüdische Kultur und jüdisches Leben heute geben und auch den Antisemitismus thematisieren, der dieses Leben bedroht. Die ju:an Praxisstelle der Amadeu Antonio Stiftung Niedersachsen wird zudem ihre antisemitismus- und rassismuskritische Bildungsarbeit darstellen sowie erörtern, warum es notwendig ist, dass Bildungsarbeit in der Lage sein muss, Antisemitismus und Rassismus zu erkennen, um ihnen wirksam entgegentreten zu können.

Eine Voranmeldung bis zum 19.08.2020 unter der Email-Adresse polbil@asta-hannover.de ist nötig!

Format: Führung und Vortrag in der Liberalen Jüdischen Gemeinde

Referent*innen: Johanna Thiemecke (ju:an Praxiststelle der Amadeu Antonio Stiftung) und Yevgen Bruckmann (Liberal Jüdische Gemeinde Hannover)

Donnerstag, 20. August
18:00 - 20:00 Uhr
liberale jüdische Gemeinde Amadeu Antonio Stiftung Ju:an

Graue Wölfe

Rechtsextremismus aus der Türkei

Inspiriert von Europa und unterstützt von Nazi-Deutschland entstand auch in der Türkei der 40er Jahre eine faschistische Bewegung, die „Grauen Wölfe“, die sich ab den 60ern in der MHP zusammenfanden. Seit ihrer Gründung steht die Partei für rabiaten groß-türkischen Chauvinismus, sie ist für tausende Morde an fortschrittlichen TürkInnen und KurdInnen verantwortlich. 

In Deutschland erfreuen sich die „Grauen Wölfe“ eines großen Zulaufs an Jugendlichen, eine Entwicklung die durch den zunehmenden anti-türkischen Rassismus beschleunigt wird. Dutzende Vereine sind der MHP organisiert, die in der Türkei als Juniorpartner in der Koalition mit Erdogan zunehmend an Einfluß gewinnt.

Thomas Rammerstorfer ist freier Journalist mit den Themenschwerpunkten (Rechts-)Extremismus, Migration und Türkei.

Der Link zur Veranstaltung: https://uni-hannover.webex.com/uni-hannover/onstage/g.php?MTID=eea27238a066db6bbe0ca76c4ab5742e5

Passwort: fclr24.08.2020

Montag, 24. August
19:00 Uhr
Antifa L

Theorie meets Praxis. Perspektiven auf Antisemitismus

Eine Kooperationsveranstaltung der ju:an Praxisstelle, der Dokumentations- und Beratungsstelle für antisemitische Vorfälle in Hannover und dem Journalisten David Speier

In regelmäßigen Abständen wird in der deutschen Öffentlichkeit über Antisemitismus diskutiert. Die Diskussionen zeugen jedoch häufig von einer begrifflichen Unschärfe. So wird Antisemitismus allzu oft als eine Spielart des Rassismus, welcher sich gegen Jüdinnen und Juden richtet, missverstanden. Der Vortrag bietet eine Einführung in die Antisemitismuskritik in Theorie und Praxis. Unter Einbezug theoretischer, praktischer und journalistischer Perspektiven soll ein Begriff von Antisemitismus erläutert werden der diesen sowohl in seiner gesellschaftlichen Dimension fassbar machen, ihn jedoch auch von anderen Formen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit abgrenzen soll. 

Hierfür soll auf verschiedene populäre Erscheinungsformen von Antisemitismen und deren Dechiffrierungen, so wie auf politische und weltanschauliche Motive der Antisemit*innen eingegangen werden. Die Entwicklung des traditionellen Antijudaismus zum modernen Antisemitismus soll hierbei ebenso berücksichtigt werden wie neue Erscheinungsformen des Antisemitismus nach der Shoah wie des Post-Shoah Antisemitismus oder der israelbezogene Antisemitismus. 

Ausgehend von dieser Einführung in antisemitische Denkmuster, Motive und Codes sollen praktische Handlungsmöglichkeiten der Antisemitismuskritik veranschaulicht werden. Auch soll eine pädagogische Auseinandersetzung mit dem Thema stattfinden. 

Anschließend sollen die theoretischen und praktischen Ausführungen durch einen regionalen Fokus auf Hannover ergänzt werden. Thematisiert werden sollen hierbei die so genannten „Hygienedemonstrationen“ in Hannover. Auch in der Landeshauptstadt demonstrieren Woche für Woche Menschen gegen die Grundrechtseinschränkungen im Rahmen der Coronavirus-Schutzmaßnahmen. Einige glauben nicht an die Existenz des Virus, andere sprechen gar von einer ausgerufenen „Corona Diktatur“. Der einende Moment ist ein Misstrauen gegenüber dem Staat und den Medien, sowie der Kampf gegen eine vermeintliche Elite, die für die Pandemie verantwortlich gemacht wird. Verschwörungserzählungen und damit verbundene antisemitische Erklärungsmuster sind ein manifester Bestandteil der neuen Protestbewegung. 

Der Link zur Veranstaltung: https://uni-hannover.webex.com/uni-hannover/onstage/g.php?MTID=e7d47505a906fce5cb089335bbbaeadec

Passwort: fclr26.08.2020

Eine Voranmeldung bis zum 26.08.2020 unter der Email-Adresse johanna.thiemecke@amadeu-antoniostiftung.de ist nötig! 

Referent*innen: Johanna Thiemecke (Amadeu Antonio Stiftung), Helge Regner (Dokumentations- und Beratungsstelle für antisemitische Vorfälle in Hannover) und David Speier (Journalist). 

Anmeldung unter: Johanna.thiemecke@amadeu-antonio-stiftung.de mit dem Betreff: Theorie meets Praxis.

Mittwoch, 26. August
18:30 Uhr
Amadeu Antonio Stiftung Ju:an
RIAS Hannover

Über Kraken, Antisemitismus und verkürzte Kapitalismuskritik

Eine Kooperationsveranstaltung der ju:an Praxisstelle der Amadeu Antonio Stiftung Niedersachsen und der DGB Jugend

Ein Krake, der auf einer Weltkugel sitzt und diese mit seinen Tentakeln umgreift. Marionettenspieler die anstatt Puppen, Medien befehligen, Schlangen, die hypnotisierten Menschen Dinge einflüstern. Was haben diese Bilder mit Antisemitismus zu tun? Was kann man unter verkürzter Kapitalismuskritik verstehen und wo ist die Schnittstelle zu Antisemitismus?

Diese digitale Veranstaltung soll als Einführung dienen und anhand von Beispielen einen Einstieg in das abstrakt wirkende Thema ermöglichen.

Zunächst wird es eine historische Einordnung und eine Einführung zu Antisemitismus geben. Dies soll als Grundlage für die anschließende Verknüpfung zu dem Thema verkürzte Kapitalismuskritik dienen.

Eine Voranmeldung bis zum 26.08.2020 unter der Email-Adresse johanna.thiemecke@amadeu-antoniostiftung.de ist nötig!

Referent*innen: Johanna Thiemecke (Amadeu Antonio Stiftung) und Pauline Kracht (DGB-Jugend Hannover)

Donnerstag, 27. August
17:00 - 18:30 Uhr
DGB Jugend Amadeu Antonio Stiftung

"Shut Down Schweinesystem"

Schluss mit Rassismus, Leiharbeit und Lohndumping - in der Fleischindustrie und Überall
Kampagnen Vorstellung

Ankündigungstext folgt…

Dienstag, 01. September
Tba
Shut Down Schweinesystem Kampagne

Klimakrise und Klimagerechtigkeit

Häufig wird in der Debatte um die globale Klimaveränderung und deren befürchteten Folgen, die Behauptung aufgestellt, der durchschnittliche weltweite Temperaturanstieg träfe alle Menschen gleich. Dem ist jedoch nicht so. Vielmehr leiden diejenigen Menschen und Gesellschaften, die dazu historisch und aktuell am wenigsten beigetragen haben, bereits jetzt viel stärker unter den Folgen der Erderwärmung als andere: Dürreperioden, Wasserknappheit, Ernteausfälle oder Überschwemmungen sind nur zwei Seiten derselben Medaille. Sie alle treten vermehrt im globalen Süden auf und entziehen den Menschen ihre Lebensgrundlage. Die Folge? Hunger, Krieg und Flucht.
Neben einem einführenden Teil in die Klimakrise, soll in dem Vortrag auf gängige Lösungsstrategien eingegangen werden. Auch wird sich mit dem Begriff der ›Klimagerechtigkeit‹ und der Bedeutung dahinter auseinandergesetzt.

Link zur Veranstaltung: https://meet.uni-hannover.de/richtungzukunft

Donnerstag, 03. September
19:30 Uhr
Direction F

Faschismus und Menschenrechtsverletzung in der Türkei:

Kolonialismus nach außen, Krieg gegen die Gesellschaft nach Innen - Diskussionsabend mit Nick Brauns

Der türkische Staat befindet sich derzeit in einem permanenten Kriegszustand gegen die kurdische Gesellschaft und die kurdische Befreiungsbewegung. Das AKP/MHP-Regime bedient sich dabei offen faschistischen Methoden und greift auf allen vorstellbaren Ebenen an: Seit dem 15. Juni wurde eine umfassende Militäroperation in Südkurdistan (Nordirak) gestartet, wo die von der Guerilla-Kontrollierten Qandîl-Berge liegen. Dazu werden tausende Soldaten auf die Berggipfel dort abgelassen sowie Drohnen- und Luftangriffe geflogen. Ziele sind dabei nicht nur die Guerilla sondern ebenso die Zivile Bevölkerung und die Natur.

 

In diesen Angriffen zeigen sich deutlich die beiden großen Ziele, welche der türkische Staat aktuell verfolgt: Zum einen geht es um neo-koloniale Ausbreitung und Besatzung, welche die Türkei als Strategie gegen die ökonomische und politische Krise im Inneren verfolgt. Das andere Ziel ist der Kampf gegen die kurdische Freiheitsbewegung, welche durch ihren Widerstand die stärkste Kraft gegen den Faschismus darstellt. 

 

Neben militärischer Kriegsführung nehmen ebenfalls Angriffe gegen politische Aktivist*innen zu, Verhaftungen von HDP-Politiker*innen und feministische Aktivist*innen werden fortgesetzt. Umweltzerstörung zur wirtschaftlichen Nutzbarmachung der Natur sind weitere Strategien, um die Gesellschaft in Angst und Schrecken zu versetzen. Der türkische Faschismus ist dabei jedoch vor allem vor dem Hintergrund einer globalen Krise zu sehen, welche weltweit zu ähnlichen Entwicklungen führt, nämlich der Zunahme von Gewalt und Repression durch totalitärer werdenden Staaten und faschistische Gruppen. 

 

Wie ist die derzeitige Situation des AKP/MHP-Regimes und welche Strategie verfolgt es? Wie ist der türkische Faschismus in globale Entwicklungen eingebettet? Wie können wir antifaschistische Kämpfe so verbinden, dass wir effektiv Widerstand leisten und mit dem Faschismus in der Türkei den Faschismus weltweit zurückschlagen können?

 

Diese und ähnliche Fragen wollen wir am 4. September, 17:30 Uhr in der UJZ Kornstraße mit Nick Brauns im Rahmen des Café Rojava International und des festival contre le racisme diskutieren und die globalen systemischen Zusammenhänge von Gewalt, Macht und Staat thematisieren. Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme.

Freitag, 04. September
17:30 Uhr
YXK/JXK Hannover

Rückblick

Das festival contre le racisme – Hannovers Festivalreihe gegen Rassismus und Menschenfeindlichkeit – wird in Hannover bereits seit 2008 durch den AStA der Uni Hannover in Zusammenarbeit mit verschiedensten Initiativen, Strukturen und Gruppen, welche im weiteren Umfeld der Universität angesiedelt sind, organisiert.

In jedem Jahr gibt es ein kostenloses Open Air Konzert im Welfengarten sowie eine Veranstaltungsreihe, die sich inhaltlich auf niedrigschwelligem, wissenschaftlichen Niveau speziell mit dem Phänomen Rassismus und darüber hinaus im ganz allgemein mit der Analyse, dem Entstehen, Bestehen und Wirken von menschenfeindlichen Ideologien in der (deutschen) Gesellschaft befasst.

In den letzten Jahren ist es uns gelungen, die hannoversche Festivalreihe zur größten bundesweit auszubauen. Mit 5.000 Besucher*innen beim Open Air im Welfengarten und einer rundum überdurchschnittlich gut besuchten Veranstaltungsreihe, ist es uns gelungen, das Festival endgültig als feste Größe in der Region zu etablieren.

Wie das beim Open-Air aussieht, vermittelt das Aftermovie von 2015 ganz schön:

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